Bestwig. Das frühere Stellwerk Bw westlich des Bestwiger Bahnhofs könnte bald wieder genutzt werden - wenn auch in anderer Funktion: Der Bestwiger Gemeinderat hat sich jetzt für einen Verkauf des markanten Gebäudes entschieden. Zuvor hatte ein Bürger aus Bestwig konkretes Interesse signalisiert, das Stellwerk künftig als Versicherungsagentur zu nutzen.

Damit zieht der Gemeinderat einen Schlusstrich unter den jahrelangen „Dornröschenschlaf“ des Gebäudes. Bereits seitdem die Bahn im Jahr 2005 ihre Stellwerk-Technik umgerüstet hatte, stand das Stellwerk leer; beim Zwischenerwerb des Bahnhofsgebäudes war auch das Stellwerk ins Eigentum der Gemeinde Bestwig übergegangen. Zuletzt wurden den Mitgliedern des Gemeindeentwicklungsaussches mehrere Varianten für eine mögliche Nutzung vorgestellt. Studierende der Fachhochschule Südwestfalen hatten unter anderem ein Konzept für ein „Eisenbahn-Erlebnismuseum“ erarbeitet; untersucht wurde zudem unter anderem eine Nutzung als Aussichtspunkt auf die umfangreichen Bahn-Anlagen in Bestwig.

Einstimmig sprachen sich jetzt die beiden Ratsfraktionen für einen Verkauf des Gebäudes aus. Es gelte, die Kosten für Infrastruktur so gering wie möglich zu halten, argumentierte CDU-Fraktionsvorsitzender Winfried Gerold. Ein Umbau zu einem Eisenbahn-Museum hätte Kosten von mehr als 400.000 Euro verursacht - trotz einer (möglichen) Förderung aus dem LEADER-Programm der EU wäre so ein erheblicher Eigenanteil für die Gemeinde Bestwig entstanden. Zwar habe die Eisenbahn eine besondere Bedeutung für die Entwicklung Bestwigs gehabt - es gelte aber, andere Weg zu finden, um diese Bedeutung auch öffentlich herauszustellen, so Gerold.

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Paul-Theo Sommer bescheinigte den Studierenden der FH Südwestfalen sowie dem Team der Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG) „Rund um den Hennesee“, mit ihrem Museums-Konzept gute Arbeit geleistet zu haben. Die Idee „hätte Charme - wenn nur diese Kosten nicht wären.“ Auch bei einem Verkauf sei sichergestellt, dass das „ortsbildprägende Gebäude“ erhalten bleibe; der Interessent habe ein „ernsthaftes und seriöses Angebot“ vorgelegt: „Dafür sollten wir uns entscheiden.“

Diesen Ratschlag folgten alle Ratsmitglieder: Sie sprachen sich für den Verkauf des früheren Stellwerks aus und beauftragten die Verwaltung, entsprechende Gespräche mit dem Kaufinteressenten zu führen.