Bestwig. Für alle, die sich von Westen dem Bestwiger Ortskern nähern, ist es nicht zu übersehen und ein Stück Eisenbahngeschichte: Das frühere Stellwerk Bw steht leer, seitdem die Bahn ihre Technik im Jahr 2005 umgerüstet hat. Wie es mit dem markanten Gebäude weitergehen könnte, war jetzt Thema im Bestwiger Gemeindeentwicklungsausschuss.

Hintergrund: Beim Zwischenerwerb des Bahnhofsgebäudes im Jahr 2007 war auch das frühere Stellwerk ins Eigentum der Gemeinde Bestwig übergegangen - die neuen Eigentümer des Bahnhofs hatten jedoch keine Verwendung für das kleine Gebäude, das früher die Seilzug-Technik für das Stellen der Weichen beherbergt hatte. Um per LEADER-Projekt einen Umbau für eine neue Nutzung zu ermöglichen, hatte der Gemeinderat beschlossen, im Haushalt Geld bereitzustellen. Nun hat die Gemeindeverwaltung mehrere Alternativen vorgestellt.

So haben Studierende der Fachhochschule Südwestfalen ein Konzept erarbeitet, aus dem Stellwerk ein kleines „Erlebnismuseum“ zur Bestwiger Eisenbahngeschichte zu machen - mit einem Waggon als Anbau. Ein positiver Beitrag für Bestwig, der auch die Aufenthaltsqualität am Bahnhof verbessern könnte, argumentieren Lisa Pütz und Norbert Arens von der Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG). Die Kosten für Umbau und Ausstattung würden aber bei mindestens 420.000 Euro liegen. Würde statt des Waggons ein „herkömmlicher“ Steinanbau erfolgen, gäbe es die Möglichkeit, eine öffentliche Toilettenanlage zu schaffen - allerdings würden auch die Kosten auf mindestens 470.000 Euro steigen. Selbst bei einer möglichen LEADER-Förderung von 65 Prozent würde so ein erheblicher Eigenanteil auf die Gemeinde Bestwig zukommen.

Würde man stattdessen nur die Fassade sanieren und einige Arbeiten im Innenbereich ausführen, könnte aus dem Stellwerk eine Art „Aussichtsturm“ am Bahnhof werden - mit interessanten Perspektiven auf Bahn- und Gleisanlagen. Die Gesamtkosten werden auf rund 100.000 Euro geschätzt - ein Problem könnte allerdings die freie Zugänglichkeit werden, die eine Gefahr von Vandalismus mit sich bringt. Und Aussichten auf die Bahn-Anlagen bietet auch der Fußgängerübergang auf der Ostseite der Bahnhofsgebäudes. Alternativ dazu, so eine weitere Möglichkeit, könnten nach einer Fassadensanierung lediglich an der Außenseite des Gebäudes Schaukästen oder Info-Tafeln angebracht werden, die über die Bestwiger Bahn-Geschichte informieren; das Gebäude-Innere bliebe dann ungenutzt.

Denkbar ist zudem ein Abriss des Stellwerks - die Kosten dafür werden auf rund 20.000 Euro beziffert. Hinzu kommen Kosten für eine Neugestaltung der Teilfläche. Auch ein Verkauf des Gebäudes sei eine Möglichkeit, so Jörg Stralka vom Bau- und Umweltamt - Interesse an einem Erwerb gäbe es von einem Versicherungsmakler, der das Stellwerk zu einer Versicherungsagentur umbauen möchte.

Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen müssten die Bestwiger Bürgervertreter bis zum Sommer treffen - Anträge auf LEADER-Förderprojekte können nur bis spätestens 2020 gestellt werden. Sollte der Gemeinderat einen Verkauf des Stellwerks favorisieren, könnte eine Entscheidung schon in der Ratssitzung am 10. April fallen - dann aber wie bei Liegenschaftsangelegenheiten üblich in nichtöffentlicher Sitzung.